Der Maler und die Steinbrecher: Elbsandsteingebirge feiert Robert Sterls 150. Geburtstag

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Robert Sterl: Steinbrecher, 1909, Öl auf Pappe, Foto: Jürgen Karpinski, © Robert-Sterl-Haus
Robert Sterl: Steinbrecher, 1909, Öl auf Pappe, Foto: Jürgen Karpinski, © Robert-Sterl-Haus

Seit Jahrhunderten wird im Elbsandsteingebirge ein begehrter Baustoff abgebaut. Es ist das Gestein, welches der Region ihren Namen gegeben hat. Bauwerke von Weltrang wie die Dresdner Frauenkirche oder das Kopenhagener Schloss sind aus Quadern sächsischen Sandsteins gesetzt. Was heute große Maschinen erledigen, war vor über 100 Jahren mühsame Handarbeit.

Ein Illustrationsauftrag brachte den jungen Dresdner Maler, Robert Sterl (1867-1932), mit der lauten und staubigen Welt der Steinbrecher in der nur wenige Kilometer entfernten Sächsischen Schweiz in Berührung. Das Thema ließ ihn zeitlebens nicht mehr los. Über 30 Jahre lang lieferten ihm die Arbeiter in Steinbrüchen Motive für berühmte Werke wie „Steinbrecher mit Brechstangen“ oder „Steineklopferin“.

Robert-Sterl-Haus in Naundorf feiert 150. Geburtstag des Künstlers

Heute zählt Robert Sterl zu den bedeutendsten deutschen Impressionisten. Zu seinem 150. Geburtstag lädt das Robert-Sterl-Haus in Struppen im Ortsteil Naundorf, unweit der Stadt Wehlen, zu zwei Sonderausstellungen und zum Tag der offenen Tür ein. Die ersten Illustrationen der Steinbrüche zeigt unter anderem die Sonderausstellung „Tausendschön – Robert Sterl als Illustrator“ vom 16. Juli bis zum 10. September. Noch bis zum 2. Juli sind in der Jubiläumsausstellung „Hochverehrter Herr Professor! Lieber Sterl“ Zeichnungen, Tuschen und Aquarelle aus einer Mappe, die der Maler 1927 von befreundeten Künstlerkollegen der Künstlervereinigung Dresden zu seinem 60. Geburtstag erhalten hatte, zu sehen.

Am Samstag, 24. Juni, einen Tag nach Robert Sterls 150. Geburtstag, heißt das Museum Besucher zum Tag der offenen Tür willkommen. In öffentlichen Kurzführungen erhalten Gäste einen Einblick in das ehemalige Künstlerwohnhaus, das Robert Sterl 1919 für sich und seine Ehefrau Helene kaufte. Mehr als einhundert Gemälde aus allen Schaffensperioden, drei authentische Wohnräume, das angebaute Atelier, eine komplett erhaltene Künstlerbibliothek und das Grab der Eheleute Sterl können besichtigt werden. Im Atelier sind Staffeleien, Malpinsel und Paletten zu sehen, die Besucher zum Festtag für Erinnerungsfotos in die Hand nehmen dürfen. Im Garten werden Kaffee und Gebäck angeboten. Für Kinder gibt es Mitmachaktionen. Der Eintritt ist frei.

Die Dauerausstellung umfasst unter anderem 13 Steinbruch-Bilder, die um 1910 entstanden, darunter ein Neuzukauf, den der Freundeskreis des Robert-Sterl-Hauses dem Museum zum 150. Geburtstag schenkt. Das Spiel von Licht und Schatten im Sandstein, die Kraft und Dynamik der Arbeiter inspirierten den Künstler. Die prekären Bedingungen machten ihn betroffen. Im Juli 1911, Sterl war damals bereits Professor an der Dresdner Kunstakademie, schrieb er an seinen Künstlerfreund Emil von Gerliczy: „Leider haben wir trauriges erfahren. Viele von den besten Arbeitern sind lungenkrank und einer der besten (...) ist an Lungenschwindsucht gestorben. Das ist die Krankheit der Steinbrecher und in dem kleinen Ort wo wir jetzt sind, gibt es alleine 54 junge Witwen, deren Männer, alles Steinbrecher, gegen ihr 40. Jahr gestorben sind.“

Heimatmuseum Schöna zeigt das Leben der Steinbrecher vor 100 Jahren

Der Ort Schöna, nahe der Grenze zu Tschechien, ermöglicht es, noch tiefer in die Geschichte des Sandsteinabbaus im Elbsandsteingebirge einzutauchen. Hier befindet sich in einem der wenigen noch erhaltenen Umgebindehäuser des Ortes das Heimatmuseum. In den unteren Räumen ist ein typischer Haushalt einer Steinbrecherfamilie vor 100 Jahren zu sehen, im Obergeschoss erfährt der Besucher, wie das Elbsandsteingebirge entstanden ist und wie sich die Steinbrecherei in der Region entwickelt hat. Das Heimatmuseum hat von Mai bis Oktober an Sonn- und Feiertagen von 13 bis 15 Uhr geöffnet.

In Pirna und Děčín geht Sandstein eine Symbiose mit der Kunst ein

Eine Stadt, die ohne Sandstein nicht vorstellbar wäre, ist das über 700 Jahre alte Pirna. Der Baustoff hat Bauwerke, Skulpturen und die Architekturgeschichte der Stadt geprägt. Seit 2013 wirbt der Ort mit dem Slogan „Pirna – Sandstein voller Leben“. Von hier aus verschifften Arbeiter die Sandsteinblöcke über die Elbe in alle Welt. Beim Skulpturensommer, der zum dritten Mal die Partnerstädte Pirna und Děčín in der Böhmischen Schweiz miteinander verbindet, geht zeitgenössische Kunst eine Symbiose mit der Tradition des Sandsteins ein. In diesem Jahr ehrt er Käthe Kollwitz anlässlich ihres 150. Geburtstags. Über 80 figurale Werke von 21 Bildhauern aus drei Ländern sind noch bis 30. September zu sehen.

Die Bastionen der ehemaligen Festung Sonnenstein in Pirna bilden seit Mai mit den vor Millionen von Jahren gewachsenen Sandsteinwänden einen besonderen Raum für die Skulpturenausstellung. Am 25. Juni führt die Kunsthistorikerin Dr. Annette Seeler durch die Schau und das Leben und Werk von Käthe Kollwitz. Ebenfalls an diesem Tag wird im Rosengarten auf Schloss Děčín, einem Kleinod barocker Gartenarchitektur, der zweite Teil des Skulpturensommers eröffnet. Ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm aus Führungen, Lesungen, Film und Wandelkonzerten begleitet beide Ausstellungen.

Quelle: Tourismusverband Sächsische Schweiz e.V.