Eine Hofdame parliert über den Dichterfürsten

Dana -
Barbara Schnitzler / Foto: Marlit Mosler
Barbara Schnitzler / Foto: Marlit Mosler

Barbara Schnitzler spielt als Charlotte von Stein in Peter Hacks „Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe“, welches am 21. April Premiere im Hoftheater feiert.

"Ein Gespräch im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe"

Er habe sich vorgenommen, sich in sie zu verlieben und habe sie, als der „Sturm-und-Drang-Flegel“, der er sei, heftig umworben. So erzählt Charlotte von Stein den Beginn ihrer Liaison mit dem Dichterfürsten.
1775 traf Goethe in Weimar ein, um der Vertraute und Minister des Herzog Carl August zu werden. Zehn Jahre lang blieb er und die ganze Stadt wunderte sich über sein Techtelmechtel mit der Frau des Oberhofstallmeisters.
Charlotte von Stein, dreiunddreißigjährig, Mutter von sieben Kindern (drei davon am Leben), hat es sich zur Aufgabe gemacht, Goethe zu einem salonfähigen Mann zu erziehen: Er möge „etwas von dem wilden Wesen darum ihn die Leute hier so schieff beurtheilen, ablegen...“ Mit ihrem Charme gelingt es ihr, den ungestümen und selbstbewussten Poeten gleichzeitig an sich zu binden und auf Abstand zu halten. Wobei sie sich der Außenwirkung dieser Beziehung durchaus bewusst ist. Von einem gewissen Stolz darf dabei durchaus die Rede sein.
Doch was passiert, wenn diese Frau unerwartet zurück gewiesen wird? Sie zieht ordentlich vom Leder! Charlottes Schilderungen und ihre Darstellung des großen Deutschen steigern sich von gewitzt über launig bis unverschämt. Seien es Goethes Umgangsformen oder sein Vermögen als Liebhaber - nichts bleibt von ihr verschont!

Hoftheater Dresden feiert am 21. April Premiere

Peter Hacks hat aus den über 1500 Briefen, die von Goethe in Charlottes Haus gingen, einen meisterhaften Theatertext entworfen. Heute gilt dieser zu Recht als einer der „faszinierendsten Monologe, die in deutscher Sprache nach 1945 geschrieben worden sind“ (Frankfurter Rundschau).
Faszinierend ist er nicht nur dank der Einblicke in das Seelenleben einer geschichtlichen Randfigur. Er zieht überdies in seinen Bann, weil er den großen Meister mit der scharfen Zunge einer enttäuschten Freundin vom literarischen Olymp herunterredet.

Das Hoftheater Dresden konnte für diese Produktion eine der besten deutschen Bühnenschauspielerinnen gewinnen: Barbara Schnitzler. Sie geht mit Regisseur Helfried Schöbel auf die Suche nach dem Zauber, der Goethe ein halbes Menschenalter an jene Frau in Weimar band. Und danach, was jene Frau in Weimar in dem Dichter sah.
Das Stück wurde übrigens vor 40 Jahren am Staatstheater Dresden uraufgeführt. Sowohl das Publikum als auch die Kritik reagierten überschwänglich auf die Inszenierung von Klaus Dieter Kirst mit Traute Richter als Charlotte von Stein. Seitdem wurde es auf über 200 deutschen Bühnen sowie in 25 weiteren Ländern aufgeführt.

Koproduktion mit dem Goethe-Theater Bad Lauchstädt und der Villa Teresa Coswig

BESETZUNG
Charlotte von Stein: Barbara Schnitzler
Regie: Helfried Schöbel
Ausstattung: Marlit Mosler

TERMINE
Premiere: 21.04.2016, 20 Uhr
Weitere Vorstellungen: 14.05., 20 Uhr + 5.06., 16 Uhr

Quelle: Hoftheater Dresden