Sächsische Schweiz: Durchwachsene Bilanz und sonnige Aussichten

Dana -
Foto: Sebastian Thiel
Foto: Sebastian Thiel

Am Dienstag empfingen der Tourismusverband Sächsische Schweiz (TVSSW) und der Wanderverband Sächsische Schweiz Ministerpräsident Stanislaw Tillich sowie zahlreiche Entscheidungsträger und Multiplikatoren aus Politik und Wirtschaft zur Sonnenaufgangswanderung auf den Papststein bei Gohrisch und anschließendem touristischen Arbeitsfrühstück in der Berggaststätte auf dem Tafelberg. Klaus Brähmig MdB, Vorsitzender beider Verbände, informierte die Anwesenden über die Tourismusentwicklung der Region und laufende Tourismusprojekte. Ein besonderer Schwerpunkt war die Vorstellung des Projektes „Deutscher Wandertag 2016“. In zwei Jahren findet die größte Wanderveranstaltung Europas in Sebnitz statt.

Tourismus auf Konsolidierungskurs

Mit aktuellen Zahlen zeigte Brähmig, dass die Fremdenverkehrsbranche der Sächsischen Schweiz noch immer die Folgen des Junihochwassers des letzten Jahres spürt. Die Normalität sei zwar in das touristische Geschäft zurückgekehrt. Dennoch erwartet er auch für dieses Jahr eine durchwachsene Bilanz. „Bis zum Jahresende werden wir deutlich mehr Gäste begrüßen als 2013, jedoch nicht an das Rekordjahr 2012 heranreichen können“, schätzt der TVSSW-Vorsitzende. „Wir rechnen mit etwa vier bis sieben Prozent weniger Übernachtungen.“ Ein Grund seien die fehlenden Gäste in den Hotels, die vor Saisonstart im April wegen Renovierung geschlossen hatten. Schwer wiegt auch der Ausfall des Fünfsternehotels Elbresidenz in Bad Schandau, das nach dem Hochwasser noch immer nicht an den Markt zurückgekehrt ist. „Die 400 Betten fehlen vor allem jetzt in der nachfragestarken Zeit des Spätsommers und Herbstes“, so Brähmig.

Zugewinn bei Image und Bekanntheit

Der hochwassergetrübten Bilanz stehen klar positive langfristige Trends gegenüber, erläuterte Brähmig. Eine Studie des Instituts für Management und Tourismus der Fachhochschule Westküste (FHW) in Heide (Schleswig-Holstein) belege bis 2012 deutliche Zuwächse bei Gästeankünften und Übernachtungen. Im Vergleich zu 2004 kamen etwa 19 Prozent mehr Gäste in die Region. Die Anzahl der Übernachtungen legte im gleichen Zeitraum um etwa zwölf Prozent zu. Wobei hier nur meldepflichtige gewerbliche Übernachtungen berücksichtigt wurden.

Zudem zeigte sich, dass im Jahr 2012 etwa doppelt so viele Gäste aus dem Ausland in die Region kamen wie 2004. Der Anteil ausländischer Gäste lag 2012 bei etwa fünf Prozent. Auch Bekanntheit und Image des Reiseziels Sächsische Schweiz/Elbsandsteingebirge haben sich laut einer Studienreihe der FHW innerhalb von drei Jahren stark verbessert. In bevölkerungsrepräsentativen Online-Erhebungen legte die bundesweite Bekanntheit der Destination um zehn Prozent zu – von 56 Prozent im Jahr 2009 auf 66 Prozent im Jahr 2012. 52 Prozent aller Befragten stuften das Reiseziel als sehr oder eher sympathisch ein. 2009 waren es noch 36 Prozent.

Schwerpunkte Nachhaltigkeit und Qualität

„Nachhaltiger Tourismus“ spielt auch in diesem Jahr eine wichtige Rolle in der Verbandsarbeit, erläutert Brähmig. So sollen die sanften Mobilitätsangebote der Region noch intensiver vermarktet werden, um den Autoverkehr zu reduzieren. Große Hoffnungen legt die Interessenvertretung hierbei in die Wanderbusse. Das sind ausgewählte Buslinien auf touristisch besonders interessanten Routen. Auch die im Juli gestartete Nationalparkbahn Sächsisch-Böhmische Schweiz berge großes Potenzial für die Anrainergemeinden, die es nun zu nutzen gelte.

Dank einer überzeugenden Präsentation seiner Nachhaltigkeitsinitiativen, die der Tourismusverband gemeinsam mit der Nationalparkverwaltung, Verkehrsträgern und weiteren Partnern realisiert, fand die Sächsische Schweiz Aufnahme in die Broschüre „Nachhaltiges Deutschland 2014/2015“ der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT). „Es ehrt uns, dass die DZT die Sächsische Schweiz als eine der deutschen Vorzeigeregionen auf dem Gebiet des sanften Tourismus‘ würdigt“, so Brähmig.

Bis Ende des Jahres wird der TVSSW ein Tourismusleitbild vorlegen. In diesem werden die wesentlichen Entwicklungsziele des Destination Sächsische Schweiz für die nächsten fünf bis zehn Jahre definiert. Schon jetzt zeichnet sich die Nachhaltigkeit als langfristiges Schwerpunktthema ab. In sechs „Runden Tischen“ wird mit Vertretern aus allen Bereichen des Tourismus ein konkreter Maßnahmeplan erarbeitet. Dabei wird die Förderung von Innovationen bei den touristischen Angeboten eine zentrale Rolle spielen. Ziel ist es, die Wettbewerbsposition der Sächsischen Schweiz durch außergewöhnliche Qualität in allen Bereichen weiter zu stärken.

Mehr Qualität durch gemeinsame Gästebefragung

Ein aussagekräftiges Meinungsbild soll helfen, Optimierungspotenziale auf dem Gebiet der Qualität zu erkennen. Darum soll es erstmals eine für alle Gemeinden einheitliche, elektronische Gästebefragung geben. Generell sei im Sinne des Gastes eine engere Kooperation der Touristinformationen wünschenswert. Dazu hat der Verband ein Konzept erarbeitet. Dieses zeigt, wie die Betreuungsqualität durch Zusammenarbeit und einheitliche Standards verbessert werden kann. Das vorgeschlagene i-Netzwerk sieht ein gemeinsames Management aller Touristinformationen in der Sächsischen Schweiz vor. Mit der möglichen Realisierung ab 2015 könnte für den Freistaat Sachsen ein Pilotprojekt gestartet werden.

Deutscher Wandertag als Impuls

Den Deutschen Wandertag 2016 stellte Brähmig als eine einmalige Chance für die Region vor: „Wir bekommen die Möglichkeit, auf einen Schlag Zehntausende Wanderfreunde aus ganz Deutschland für das Elbsandsteingebirge zu begeistern.“ Bis zu 50 000 Teilnehmer werden zu der sechstägigen Veranstaltung erwartet. Durchgeführt wird der 116. Deutsche Wandertag vom 22. bis 27. Juni 2016. Eine Vielzahl organisierter Wanderungen wird unter dem Motto „Frisch auf!“ während der Veranstaltungswoche durch das Elbsandsteingebirge führen. Sebnitz umrahmt das Ereignis mit kulturellen Veranstaltungen und einem umfangreichen Festprogramm. Höhepunkt ist der Festumzug der 57 Wandervereine mit über 3 000 Ortsgruppen aus ganz Deutschland.

Brähmig lud noch einmal die Gastgeber, Veranstalter und alle touristischen Multiplikatoren ein, sich für einen Erfolg des Projektes stark zu machen und in den Arbeitsgruppen mitzuwirken: „Dank der Unterstützung durch die Ostsächsische Sparkasse arbeiten bereits zwei Projektbüros in Sebnitz und Pirna in Vollzeit an der Veranstaltung. Den hier geschaffenen Rahmen gilt es nun durch vielfältiges privates und unternehmerisches Engagement mit Leben zu füllen. Nur gemeinsam können wir die Dynamik des Events in einen kräftigen Impuls für die regionale Tourismuswirtschaft verwandeln.“

Bildbeschreibung:
v.l. Dr. Matthias Rößler (Präsident des Sächsischen Landtags), Stanislaw Tillich (Ministerpräsident von Sachsen), Ehefrau Veronika, Klaus Brähmig (Vorsitzender des Tourismusverbandes Sächsische Schweiz und des Wanderverbandes Sächsische Schweiz), Andreas Lämmel (Präsident des Landestourismusverbandes Sachsen), Michael Geisler (Landrat des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge);
Foto: Sebastian Thiel

Quelle: Tourismusverband Sächsische Schweiz e.V.