eine STARKE FRAU und ihre Geheimnisse

Dana -
eine STARKE FRAUENgeschichte - Judith - Universität LüttichSchlösserland Sachsen</A
eine STARKE FRAUENgeschichte - Judith - Universität Lüttich
Schlösserland Sachsen

Am Freitag, 31. Januar 2014 stellte die Staatliche Schlösser, Burgen und Gärten gemeinnützige GmbH (SBG) gemeinsam mit dem Studiengang Restaurierung der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK) ein faszinierendes Exponat der künftigen Sonderausstellung »eine STARKE FRAUENgeschichte – 500 Jahre Reformation« vor. Die Ausstellung lädt vom 1. Mai bis zum 31. Oktober 2014 auf Schloss Rochlitz in Sachsen ein, die weibliche Seite der Geschichte der Reformation kennenzulernen.

Das Gemälde aus Lüttich

Es handelt sich bei dem am Freitag vorgestellten Exponat um ein Gemälde mit der Darstellung der „Judith mit dem Haupte des Holofernes“, vermutlich aus dem Jahre 1526 von bisher unbekanntem Meister. Das Gemälde ist eine Leihgabe der Universität Lüttich in Belgien und wird auch als Exponat in der kommenden Ausstellung zu sehen sein.
Das Gemälde befand sich in einem sehr fragilen Zustand und musste für die Ausstellung durch den Restaurator Tino Simon von der HfBK konserviert und stabilisiert werden.
Da augenscheinlich auch Übermalungen und Beschädigungen durch unsachgemäße Reinigungen festgestellt wurden, nutzte das Projektteam der Ausstellung diese Gelegenheit, das Gemälde unter der Leitung von Prof. Dr. Andeas Schulze durch die Restaurierungsstudentin Carolin Pult im Rahmen einer über zwei Semester laufenden wissenschaftlichen Seminararbeit in den Ateliers des Studienganges Restaurierung an der HfBK gründlich zu untersuchen. Dabei nutzten die Restauratoren unter anderem strahlendiagnostische Untersuchungen mittels UV-Fluoreszenz-, Infrarot-Reflektografie- sowie Röntgen-Technik. Außerdem erfolgt zurzeit noch eine dendrochronologische Untersuchung des Bildträgers aus Holz.
Bei den strahlendiagnostischen Untersuchungen wurde die originale Unterzeichnung sichtbar, die auf die Entstehung im sechzehnten Jahrhundert hinweist.

„Judith mit dem Haupte des Holofernes“

Die Darstellung der biblischen Heldin Judith, die durch verführerische List dem assyrischen Heerführer Holofernes den Kopf abschlug und so eine ganze Stadt vor der völligen Zerstörung bewahrte, ist ein zentrales Motiv in der Ausstellung auf Schloss Rochlitz. Dieses Motiv verwendeten etliche Malergenerationen vom ausgehenden Mittelalter bis in die Zeit des Barocks hinein, unter ihnen Größen wie Andrea Mantegna oder Lucas Cranach der Ältere. Doch die ungewöhnliche Häufung im sechzehnten Jahrhundert ist auffällig. Nicht nur auf Ölgemälden wird dieses Motiv verwendet, sondern auch für Skulpturen und sogar auf vielen Alltagsgegenständen, wie etwa Gürtelschnallen, Bierkrügen oder Kaminkacheln. Handelt es sich hier um die symbolische Darstellung für ein erwachtes weibliches Selbstbewusstsein? Die Neuformulierung der Judith mit dem abgeschlagenen Haupt des Holofernes, scheinbar als Bildnisse junger adeliger Frauen ist in diesem Zusammenhang besonders interessant. Mehr als dreißig Varianten dieses Bildtyps haben sich allein aus der Cranach-Werkstatt erhalten. Wer waren die Auftraggeber oder AuftraggeberInnen? Deuten die individuellen Züge einiger Frauenfiguren auf Porträts? Wer wollte oder sollte in die Rolle der Erretterin ihres Volkes bzw. in die der Männermörderin schlüpfen?
Das Motiv wirft Fragen auf. Die Besetzung der Heldin mit Werten wie Stärke und Gerechtigkeit ist schwer vereinbar mit der Geschlechterordnung, die Judith umkehrt: Eine Frau, die einen Mann enthauptet, ist eine Gefahr, selbst wenn dieser Mann ein Feind ist, da sie ein grundlegendes Machtverhältnis der Gesellschaft in Frage stellt. Im Judithbild spiegeln sich Rollenbilder von Frau und Mann, die in Umbruchzeiten neu umrissen werden. Die vielen überlieferten Judith-Darstellungen sprechen kühlen Blickes deutlich aus, was bisher keiner hören wollte: die Reformation war auch eine STARKE FRAUENgeschichte!
Unter den insgesamt mehr als 300 Exponaten werden auch sechs originale historische Judith-Gemälde und zahlreiche Darstellungen dieses Motivs auf Grafiken, Alltagsgegenständen und Reproduktionen in der Ausstellung zu sehen sein und das historische Phänomen sichtbar machen.

Die Ausstellung

»eine STARKE FRAUENgeschichte – 500 Jahre Reformation« stellt handelnde Frauen der Reformation vor. Die Ausstellung geht der Frage nach den Rollenbildern von „männlich“ und „weiblich“ und den daraus erwachsenden Handlungsräumen nach. Sie untersucht diese Rollen in der Kernzeit der Reformation, in der sich die Handlungsräume insbesondere für Frauen kurzzeitig veränderten.
Mit über 300 Exponaten unterschiedlichster Gattung auf über 1.300 qm Fläche gibt die Ausstellung ab 1. Mai einen Einblick in weibliche Lebenswelten in der Zeit der Reformation und des 16. Jahrhunderts und zieht dabei auch Parallelen in die Gegenwart.
Die Ausstellung wird im Beisein der Botschafterin der EKD für die Lutherdekade 2017, Frau Prof. Dr. Dr. h.c. Margot Käßmann am 1. Mai 2014 auf Schloss Rochlitz feierlich eröffnet und ist an diesem Tag ab 16:00 Uhr geöffnet. Sie ist das kulturelle Highlight des Reformationsjubiläums im Jahr 2014 und wird maßgeblich gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

Quelle: Pressemitteilung Schlösserland Sachsen