Über 70 Prozent der Weltbevölkerung leben gegenwärtig in Autokratien und auch hierzulande werden liberale Prinzipien wie offene Grenzen, Toleranz und Diversität immer stärker infrage gestellt. Vor dem Hintergrund dieser Krise des Liberalismus sprechen Philipp Felsch und Albrecht Koschorke, der das Projekt „Narrative des Liberalismus“ am Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt Konstanz leitet, in der Reihe Theorien zur Praxis über Spielarten des Liberalismus und die Wiederkehr der vormodernen Welt.
Dabei werden Felsch und Koschorke auch auf die ideengeschichtlichen Anfänge des Liberalismus blicken. Die frühen Liberalen waren Enthusiasten. Sie sahen sich als Bannerträger der Freiheit, des Fortschritts und der gesellschaftlichen Vernunft. Der Forderung nach unbeschränkter Volksherrschaft standen sie jedoch mit Argwohn gegenüber. Stattdessen kämpften sie für ein System politischer Stellvertretung, in dem gebildete, mit vorausschauendem Weitblick ausgestattete Repräsentanten den gleichsam objektivierten Willen des Volkes verkörpern sollten. Was wird aus solchen Vorstellungen unter den heutigen Vorzeichen einer „demokratisierten Demokratie“ (Philip Manow)? Wie kann sich kollektives Handeln jenseits liberaler Arroganz alten Stils auf Freiheit, Rationalität und Zukunftssinn hin orientieren?
Eintritt: 3 € / erm. 1,50 €
Auch verfügbar als Livestream: www.dhmd.de/livestream
weitere Informationen und Tickets unter https://shop.dhmd.de/veranstaltungen/was-war-liberalismus-und-was-koennte-er-sein